Was genau

Was genau hat dich spüren lassen, dass es anders ist.

Was genau hat dich spüren lassen, dass es gut ist.

Was genau hat dich spüren lassen, dass besser wird.

Ich sitze in meiner mir selbst geschaffenen Hölle aus Feuer und Gefühlen. Die mich langsam niederbrennen und ich kann nichts löschen oder dagegen ankämpfen. Ich wollte diesen Kampf nicht mehr auf mich nehmen, nicht mehr grundlos in den Krieg ziehen.

Ich bin ein Opfer meiner selbst, meiner Emotionalität, meinem Wunsch nach Perfektion durch jemand anderen. Denn ich bin nur der kleine, unbedeutende Teil. Ich muss vervollständigt werden. Ich existiere allein nur mit halber Kraft, fahre nicht das volle Tempo.

Ich will es vor allem auch gar nicht. Ich möchte diesen Weg nicht allein gehen, nicht ständig allein die Last des Lebens tragen.

Ich erwarte keine schnelle Heilung meiner Krankheit aber ich warte doch nun schon mehrere Jahre auf Linderung.

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Wieder einmal sitze ich vor der Tür

und versuche sie einzutreten.

und sie bleibt mir verschlossen.

und klopfe so laut, dass meine Finger schmerzen.

und rufe laut die Namen derer, die dort wohnen.

und bekomme keine Antwort auf mein Flehen.

Wieder einmal sitze ich vor der Tür.

Allein.

– Helvo Hinten (Auszüge aus der Gegenwart)

Töne

Die Tasten werden erst leise, dann bestimmter angeschlagen.

Jede Note erklingt in ihrer vollen Größe und Reinheit.

Die entstandene Melodie erklingt süßlich schwer in meinem Ohr.

Ich baue dazu Schlösser aus Träumen und verliere mich in ihnen.

 

Die Melodie wird leiser, je weiter ich mich in den Schlössern verliere.

Doch etwas zieht mich weiter.

Es ist eine andere Tonlage, die leicht und freundlich, mich ruft.

Und ich muss ihr folgen.

 

Meine altbekannte Melodie ist fast verstummt.

Die neuen Töne werden deutlicher und bestimmter.

Ich renne fast, um den richtigen Weg zu finden.

Um ihr nah zu sein, sie fühlen zu können.

 

Meine Gefühle, Gedanken, Sorgen und Ängste verlieren sich in dem Gewirr aus Tönen.

Es werden immer mehr und lautere zugleich.

Schwindel überkommt mich und ich versuche mich zu retten.

Doch eine Ankunft wird es nicht geben, denn ich bin im Ganzen verschwunden.

Notaufnahme

Sie lag wach. Wie lang, konnte sie nicht sagen. Aber es müssen Stunden gewesen sein. Stunden, in denen nichts passierte. Nur die Gedanken kreisten weiter in Ihrem Kopf.
Die Hand langte zur Kommode, wo Papier und Stift immer griffbereit liegen, für den Fall, etwas Wichtiges für später festzuhalten. Aber nichts passierte. Die Feder streifte das Papier, ohne ein einziges Wort zu enthüllen.
Ihr Arm tat weh. Das Blut lief nicht mehr, aber die Wunde konnte sie noch deutlich spüren. Der Schnitt war tief. Der Schmerz war heftiger als in den Tagen zuvor. Sie strich langsam über den Streifen verletzter Haut. Es tat gut. Und weh.
Langsam versuchte sie aufzustehen. Der Kopf dröhnte, wie eine Horde wilder Pferde auf der Flucht. Sie griff die ersten Kleidungsstücke, die sie finden konnte. Tasche, Mantel, Schlüssel. Der Weg zum Krankenhaus war zum Glück nicht weit.
Die Schwester fragte sie, was passiert sei. Sie sagte, ich habe eine Schnittwunde am Arm.
Wie ist das passiert, fragte die Schwester.
Es war ein Unfall. Es war keine Absicht.
Ihre Antwort quittierte die Schwester mit einem stummen Lächeln. Das war Alltag. Jeden Tag kamen Frauen mit Unfällen zu ihr.
Sie wurde von der Schwester in den Warteraum gebracht. Sie war kein Notfall. Vor ihr lagen Knochenbrüche, Brandwunden.
Sie setzte sich an den hintersten Platz, mit Blick auf die Tür. Sie schaute sich die Menschen an, die an diesem Tag in die Notaufnahme kamen. Keiner war allein. Sie saßen in Gruppen oder zu Paaren. Ein Kind mit seinen Eltern saß schräg gegenüber von ihr. Der Junge wollte den Kuchen aus dem Ofen nehmen und verbrannte sich die Hand. Seine Eltern haben ihn in die Mitte genommen und legten beide Arme um ihn während er seine Transformers-Figur verdrehte.
Nach und nach wurden die Patienten aufgerufen. Es wurden immer weniger um sie herum.
Ihr Blick ging zum Fenster hinaus. Ein paar Vögel bauten ihr Nest in dem mit wenig Blättern behangenem Baum. Friedlich.
Kommen Sie bitte mit, schallte es es durch den Raum.
Ein Arzt, etwa Mitte 30, starrte sie emotionslos an. Sie stand langsam auf. Schwindel überkam sie. Wann hatte sie das letzte mal etwas gegessen oder getrunken? Es muss Tage her gewesen sein.
Langsam folgte sie dem Mann in den Untersuchungsraum. Sterile und kalte Luft umhüllte sie.
Er ergriff grob ihren Arm.
Was ist hier passiert, fragte er.
Es war ein Unfall. Es war keine Absicht.
Soso.
Er griff in eine Schublade und holte eine Flasche mit brauner Flüssigkeit und schmierte sie ihr mit wenig Behutsamkeit auf die Wunde. Es brannte. Stärker als der eigentliche Schnitt. Das Gefühl ging durch den ganzen Körper und ließ sie kurzzeitig erstarren.
Der Verband wurde fest geschnürt, ohne besondere Sorgfalt.
Das nächste Mal passen Sie besser auf, sagte er.
Keine weitere Frage. Kein weiteres Interesse, was genau passiert war.
Ja, sagte sie kaum hörbar.