Warum ich schreibe

Gedanken geordnet in Worte fassen. Mal mehr, mal weniger schön. Bevor der Kopf platzt. Schreiben beruhigt mich. Lässt mich die Dinge etwas klarer sehen. Die geschriebenen Gedanken noch einmal lesen und die Zusammenhänge dadurch leichter erfassen.
Es ist nicht für jeden verständlich oder nachvollziehbar. Aber ich kann mich besser wahrnehmen, fühlen.
Warum ich schreibe.

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Jeden einzelnen Tag

Jeden einzelnen Tag hoffst du, dass es anders wird. Nicht großartig, nur erträglicher.
Jeden einzelnen Tag versuchst du besser zu sein als gestern. Etwas mehr zu schaffen, nicht viel, nur etwas.
Jeden einzelnen Tag sehnst du dich mehr nach Nähe. Möchtest andere fühlen können.
Jeden. Einzelnen. Tag.

One Night Stand

Wochenende. Um der Einsamkeit der leeren WG zu entgehen, ging sie noch mit den Mädels zu der Party. ‚Der echt süße Typ wird auch da sein‘ versprach Lilly. Und wenn schon. Hauptsache das Bier ist kalt.
Und dennoch zog sie nicht die bequemen aber abgeranzten Sneakers an. Nein, die roten Stiefeletten, die passen besser zum Kleid. Wimpern geschminkt, ein Hauch Chanel.
Sie trafen sich auf halber Strecke, die anderen hatten schon mit Sekt den Abend eingeläutet. Nach feiern war ihr nicht. Richtig Stimmung wollte bei ihr nicht aufkommen.
Angekommen war die Hütte voll von mehr oder weniger bekannten Gesichtern. ‚Ich bin mal im Bad‘ sagte sie und ging zielsicher zur Wanne, wo sich üblicherweise das Bier auf solchen Parties befindet.
Die Mädels stürmten herein und zogen sie Richtung Küche. Der echt süße Typ war nicht zu übersehen. Bella schon am quatschen und dann das quietschige ‚Heyyyy, das ist übrigens Ben.‘.
Sie kamen recht gut ins Gespräch, über dies und jenes, ‚Ach echt? Cool…‘ ‚Naja, so Kram halt’…
Nach dem vierten Bier war der Abstand zwischen beiden auf ein Minimum reduziert, ‚zufällige‘ Berührungen, schüchternes Lächeln. Der Großteil war weg, die Mädels beim xten Piccolöchen und sie fühlte sich nicht mehr so einsam.
‚Ich brauche noch Kippen. Müsste mal schnell zum Späti.‘
‚Ich komme mit.‘
Kaum aus der Tür gingen die Finger ineinander, die erste Treppe noch dann hingen sie knutschend am Geländer. Er roch gut, es fühlte sich gut an. Vertraut und doch neu, erregend.
‚Meine Wohnung ist um die Ecke…‘
‚Ok…‘
Kalte Luft knallte ihr entgegen und das laufen wurde fast zur Aufgabe. Es ging ihr nicht gut. Das schöne Gefühl war plötzlich weg, es fühlte sich nicht richtig an. Dennoch ging sie mit. Zuhause die leere WG und die hungrige Katze.
Sie liefen weiter, schneller und waren mit Überschall aus den Klamotten und in seinem Bett.
‚Nimmst du die Pille?‘
‚Nein‘
Als er ins Bad ging dachte sie kurz darüber nach zu gehen. Zögern. Da kam er wieder.
Dann ging alles wie im Zeitraffer. Schnell, mechanisch, seelenlos. Kein Gefühl, nur der Körper in Bewegung. Kalte Berührungen. Sie empfand nichts als Leere. Er kam, sie nicht.
Erschöpft schlief sie. An aufstehen und gehen war nicht mehr zu denken. Der Körper wollte Ruhe.
Sie wachte auf. Kopfschmerzen und der widerliche Geschmack von zu viel Kippen und Bier brachten die Erinnerung der letzten Nacht hervor. Und dann sah sie auch, dass sie nicht geträumt hatte, sondern neben dem echt süßen Typen lag. Der jetzt laut atmete und sich streckend erwachte.
‚Hey, na?! Schon 11? Ich muss zum Training!‘
‚Hey, ja. Ich muss auch langsam mal los.‘
Sie zog sich an, alles stank nach Suff und Kippen, der Mascara verschmiert. Die schönen Schuhe unbequem und kalt.
‚Vielleicht sieht man sich mal wieder irgendwann. War toll letzte Nacht.‘
‚Ja, klar…‘
Keine Nummer, kein wirkliches Interesse. Sie lächelte steif und ging. Der Weg zur Bahn wurde zum Hindernislauf und in der Bahn stank es fast noch schlimmer als in der Wohnung. Oder war sie es? Verbrauchtes Gesicht und eindeutig nicht gekleidet als wäre sie gerade von zuhause gekommen. Sie versuchte sich an seinen Namen zu erinnern. Irgendwas mit M, oder D?! Nach ihrem hatte er nicht gefragt.
In der WG angekommen saß Vero in der Küche und trank Kaffee.
‚Na, wieder eine lange Nacht gehabt? Hat es sich gelohnt?‘
‚Klar, wie immer…‘
Sie ging ins Bad, die Tränen schossen ihr in die Augen. Der Körper krampfte sich zusammen und sie kotzte sich die letzte Nacht aus dem Leib. Niemand, der die langen Haare hielt. Niemand, der ihr beruhigend über den Rücken strich. Sie war allein.
‚Ich will das nicht mehr.‘
Das Handy klingelte und sie las die Nachricht von Lilly, dass heute eine Party bei irgendwem stattfindet.