Stille Nacht, einsame Nacht

Weihnachten ist tot. Zumindest in diesem Jahr. Ich habe keinen Grund zum feiern. Dieses Jahr verlor ich so viel, dass es mich schier zerreißt und keine Freude aufkommen mag. Die Liebe, meine Selbstbestimmung, Freunde und einen riesen großen Batzen Hoffnung fielen in den Abgrund. Also habe ich keinen Grund fröhlich unter dem Baum zu sitzen – den ich dennoch aufgestellt habe, das Teil war teuer genug.

Es gibt keine Geschenke, es gibt Wein. Und ich ignoriere die gut gemeinten Ratschläge, dass ich raus sollte. Es fällt mir schwer, nicht bei jeder glücklichen Familie oder frisch verliebtem Paar sofort in Tränen auszubrechen. Ich kann meinen Neid nicht verstecken, also verstecke ich mich.

Ich bin enttäuscht von den Menschen, die mir sagten, dass sie mich lieben. Aber mehr in guten als in schlechten Zeiten. Nicht von allen natürlich. Ich habe auch Menschen wieder gefunden, die ich sehr vermisste. Dafür bin ich dankbar. Es liegt viel an mir, das gebe ich zu. Aber es folgt ein Aber. Die Tür schwingt in beide Richtungen…

Nun sitze ich hier, stelle die Kerzen gerade und hänge die Kugeln zurecht, bringe die Krone auf des Baumes Spitze und halte einen Moment inne. Atme. Hoffe.

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Oh, du Fröhliche.

Weihnachten. Fest der Liebe, der Zufriedenheit, der Freunde und Familien. Kartoffelsalat und Würstchen, Gans mit Rotkohl und Klößen. Plätzchen und Bauschmuck, Klassiker im Radio.
Nicht dieses Jahr. Meine Wohnung ist nicht festlich dekoriert, der Baum wird im Keller frieren und der Ofen bleibt kalt. Ich habe nichts zu feiern. Ich bin weder zufrieden, noch habe ich Freunde oder Familie, bei denen ich die Feiertage verbringen möchte.
Warum? Weil ich dieses Jahr schwere Erfahrungen machen musste. Weil ich mich nicht mit glücklichen Menschen umgeben kann. Weil ich merke, dass enge Freunde mich scheinbar gar nicht kennen. Weil ich es nicht kann.
Ich liebte Weihnachten. Ich liebte die Zeit davor. Ich liebte es zu backen. Ich liebte es, den Baum aufzustellen und zu schmücken. Ich liebte die Feiertage, stellte Outfits zusammen. Ich liebte es.
Dieses Jahr bin ich müde, fühle mich unverstanden, allein. Wünsche mir so sehr, dass ich mir ein Bein anstelle meiner Seele gebrochen hätte. Das Bein wäre jetzt wieder in Ordnung. Ich könnte wieder gehen und man würde verstehen, wenn ich es langsam angehen lassen möchte.
Ich kann mich nicht freuen. Oh, du Traurige…