Mein Recht auf Selbstverstimmung

Ich bin mies drauf. Nicht depressiv verstimmt, nicht melancholisch angehaucht. Die Psyche hat damit ausnahmsweise nichts zu tun. Ich bin mies drauf.
„Du musst nur positiv denken, dann wendet sich alles zum Guten.“ Nein, das tut es nicht. Nicht immer. Natürlich, man sollte positiver und offener durch die Welt gehen, dadurch sehen dich auch andere positiver.
Aber an einigen Tagen funktioniert das einfach nicht. Da bin ich mies drauf. Ich schiebe es nicht auf meine Depression, oder andere Erkrankungen. An diesen Tagen bestehe ich auf mein Recht auf Selbstverstimmung. Da möchte ich kein carpe diem oder sonstige Kalendersprüche hören. Da bade ich in meiner schlechten Laune, kotze darüber ab, dass ich trotz positiven Denkens von der Liebe abserviert wurde, dass mir damals mein Job gekündigt wurde, weil der Chef die Farbe meiner Haare nicht mochte. Da gebe ich der Welt die Schuld. Einmal wenigstens. Ich bin bewusst genervt und angepisst von all den rosaroten Brillenträgern und möchte sie gern mit der Axt spalten. Ich bin mies drauf.
Es ist real und fühlt sich richtig an, selbst zu bestimmen, dass man gerade nicht gut gelaunt ist, bewusst keine Maske trägt.
Und dann trinke ich ein Bier oder mehrere und mache mich über die Trolle dieser Welt lustig. Schlafe verspannt ein und träume von Paralleluniversen.
Am nächsten Morgen ist die Nüchternheit zurück. Trinkt Kaffee mit mir und lebt in den Tag hinein. Kämpft gegen die inneren Dämonen und lacht ab und zu auch mal. Ist sich ihrer bewusst und lässt sich fallen.
Und ist dann irgendwann auch wieder mal mies drauf. Später.

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Das Leben ist wertvoll. Ist es das?

Ich höre so oft von Menschen, dass ich froh sein sollte, anderen ginge es noch schlechter.
Ist das so? Geht es anderen schlechter als mir, weil ich eine Wohnung und Arbeit habe? Misst man daran Freude? Ich bin nicht froh. Ja, ich sitze nicht auf der Straße, ich muss nicht Hunger leiden und dennoch bin ich unglücklich.
Ich habe eine Hülle, die mit Leere gefüllt ist und die nicht glücklich ist. Kurze Momente lassen mich Glück empfinden und spätestens nachts, wenn die Stille mich einwebt, kommen die Tränen. Von zerstörter Hoffnung, zerplatzten Träumen und tanzen schreiend um mich herum.
Das kann in einem Jahr völlig anders aussehen.
Kann es. Oder auch nicht.

Schmerzverzerrung

Noch so jung das Jahr und alt der Schmerz. Ich hatte Hoffnung in diese ungerade Zahl gelegt. Und vielleicht ist das ein Fehler. Hoffnung. So oft hat sie mich schon in entscheidenden Augenblicken einfach liegen gelassen, ging lachend weg. Und kam dann doch so friedlich und versöhnlich zurück. Komm, dachte ich, gib ihr eine Chance. Sie hat es auch nicht leicht, mit all den Erwartungen, die an sie gestellt werden. Also ließ ich sie rein, wärmte und streichelte sie, erzählte ihr von meinen Träumen. Sie lachte laut und knallte mir die Tür vors Herz. Ein ums andere Mal. Der Körper schmerzt, die Seele noch mehr. Das Herz voll Narben, die den Körper zieren. Man verzerrt das Gesicht, die Gefühle. Es bleibt eine hässliche Maske, voller Unebenheiten.
Dann sitzt man da. Allein. Ohne Hoffnung, nur die Träume sind einem geblieben. Doch nicht klar und farbig, leicht verzerrt und verschwommen. Die Augen zusammengekniffen, mit warmen Tränen, fühlst du den Schmerz.