Herz

Es liebt.
Es leidet.
Es schlägt.
Es wird geschlagen.
Es ist stark.
Es ist schwach.
Es weiß, was es will.
Es ist unsicher.
Es hofft.
Es versteht.
Es gewinnt.
Es verliert.
Es lebt.
Herz.

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Mein Recht auf Selbstverstimmung

Ich bin mies drauf. Nicht depressiv verstimmt, nicht melancholisch angehaucht. Die Psyche hat damit ausnahmsweise nichts zu tun. Ich bin mies drauf.
„Du musst nur positiv denken, dann wendet sich alles zum Guten.“ Nein, das tut es nicht. Nicht immer. Natürlich, man sollte positiver und offener durch die Welt gehen, dadurch sehen dich auch andere positiver.
Aber an einigen Tagen funktioniert das einfach nicht. Da bin ich mies drauf. Ich schiebe es nicht auf meine Depression, oder andere Erkrankungen. An diesen Tagen bestehe ich auf mein Recht auf Selbstverstimmung. Da möchte ich kein carpe diem oder sonstige Kalendersprüche hören. Da bade ich in meiner schlechten Laune, kotze darüber ab, dass ich trotz positiven Denkens von der Liebe abserviert wurde, dass mir damals mein Job gekündigt wurde, weil der Chef die Farbe meiner Haare nicht mochte. Da gebe ich der Welt die Schuld. Einmal wenigstens. Ich bin bewusst genervt und angepisst von all den rosaroten Brillenträgern und möchte sie gern mit der Axt spalten. Ich bin mies drauf.
Es ist real und fühlt sich richtig an, selbst zu bestimmen, dass man gerade nicht gut gelaunt ist, bewusst keine Maske trägt.
Und dann trinke ich ein Bier oder mehrere und mache mich über die Trolle dieser Welt lustig. Schlafe verspannt ein und träume von Paralleluniversen.
Am nächsten Morgen ist die Nüchternheit zurück. Trinkt Kaffee mit mir und lebt in den Tag hinein. Kämpft gegen die inneren Dämonen und lacht ab und zu auch mal. Ist sich ihrer bewusst und lässt sich fallen.
Und ist dann irgendwann auch wieder mal mies drauf. Später.

Ein Brecht zur Nacht

EINST

Einst schien dies in Kälte leben wunderbar mir
Und belebend rührte mich die Frische
Und das Bittre schmeckte, und es war mir
Als verbliebe ich der Wählerische
Lud die Finsternis mich selbst zu Tische.

Frohsinn schöpfte ich aus kalter Quelle
Und das Nichts gab diesen weiten Raum.
Köstlich sonderte sich seltne Helle
Aus natürlich Dunklem. Lange? Kaum.
Aber ich, Gevatter, war der Schnelle.

(Bertolt Brecht)