Verlust

Du bist diese Woche gestorben. Ich kannte dich im Grunde nicht. Du hast mich auf die Welt gebracht, aber Du warst nicht Teil meines Lebens. Und dennoch habe ich es gespürt als es passierte. Ich weiß nicht, was ich empfinden soll. Ich bin nicht traurig. Ich bin leer. Ich bin Gedanken bei deiner ‚richtigen‘ Familie, mit denen Du zusammen warst, die Du aufgezogen hast, die Du kanntest. Ich habe viele Jahre Hass empfunden, weil Du nicht da warst. Bis mir klar wurde, dass auch Du nicht vom Glück gesegnet warst. Aber ich konnte mich damit nicht belasten. Wollte mich nicht an jemanden wenden, zu dem ich keinen Bezug hatte.
Ich kann nichts mehr sagen, ich wüsste auch nicht was. Ich fühle nichts, bin leer.

Du bist nicht mehr da, hast ein neues Leben begonnen, in dem ich keinen Platz mehr habe. Du bist meine Liebe, die ich verschreckte, die ich zu spät zugelassen habe. Das trifft mich. Du lebst, aber Du bist nicht mehr bei mir. Und ich kann mich nicht damit abfinden, nur eine Randerscheinung, eine ehemalige Frau in deinem Leben gewesen zu sein. Ich ertrage die Neue nicht, die kommenden und die anderen Bekannten. Es tut mir weh.

Unterschiedliche Verluste in einer Woche, von so unterschiedlicher Härte.
Verlust.

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Übelkeit

Der Schmerz sitzt so tief im Herzen, dass keine Klinge ihn lindern kann.
Der Verlust wiegt so schwer, dass deine Lunge platzt.
Der Ekel schmerzt so sehr im Magen, dass jeder Schwall es schlimmer macht.

Status: schreibt…

Wir schreiben uns täglich über Whatsapp, Messenger und andere Medien. Wollen uns nicht kontrollieren lassen und blenden unseren „Zuletzt online“-Status aus. Wir möchten lesen, wann wir wollen und antworten, wann wir wollen. Aber sind wir online, sind wir sichtbar online. Und schreiben wir, sieht es auch der Gegenüber.
Habe ich einen Dialog mit jemanden und sehe, dass er schreibt, dann warte ich geduldig aufs Display starrend ab, lese die Nachricht und antworte. Und während ich antworte, fällt mir immer häufiger auf, dass meine Gesprächspartner offline gehen. Als ob sie keine Geduld, kein Interesse hätten. Mitten im Gespräch verlassen sie den virtuellen Raum. Klar, manchmal geht es nicht, man hat zu tun, ich auch.
Jetzt mögen viele denken ‚Na und? Kann ich doch dann später lesen. Der Text läuft ja nicht weg.‘. Das ist wahr und dennoch fühle ich mich verlassen.
Einsam im virtuellen Raum eines Dialogs.

Geburtstagswunsch

33. Ein neues Lebensjahr. Schöne Zahl. Wie 2015. Es sollte mein Jahr werden. Es ist nicht mal annähernd mein Jahr. Ich sitze pünktlich um 0.00 Uhr an meinem Smartphone mit Wein und Schere und bin allein. Allein, sehnsüchtig, traurig, ohne wirkliche Hoffnung.
Ich sehne mich nach Liebe, nach Frieden, nach Hoffnung. Ich versuche positiv in die Zukunft zu blicken und scheitere an der Gegenwart. Die Gegenwart, die mich traurig macht. Wie die Vergangenheit, die ich täglich in meinen Gedanken habe. Es ist so viel passiert, es ist gar nichts passiert.
Ich wünsche mir Hoffnung.
Ich wünsche mir Frieden.
Ich wünsche mir.