Langsam

Es wird besser.
Langsam.
Ich bin nicht mehr voller Hass und Wut. Ich bin immer noch nicht fröhlich, freue mich auch nicht für Euch. Das tut mir leid.
Aber es wird besser.
Langsam.

Es hört auf weh zu tun.
Langsam.
Der Schmerz ist immer noch täglich zu spüren, das Stechen im Herzen, wenn ich eine Erinnerung habe oder deinen Namen lese. Die Wunde ist nicht frisch, aber noch offen und infektiös.
Aber es hört auf weh zu tun.
Langsam.

Ich möchte mein Leben verändern.
Langsam.
Ob ich jemals wieder so lieben kann? Vermutlich nicht. Mit dieser Zeit brach mein Vertrauen in zu kleine Teile, die ich noch nicht alle wiedergefunden habe. Und dennoch möchte ich es anders haben als es ist. Weil es so nicht geht, auch wenn es bequemer wäre und es vertraut ist.
Aber ich möchte mein Leben verändern.
Langsam.

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Fühlen

Ein unfassbar schönes Empfinden. Du schwebst auf Wolken, bist frei von Angst. Leichtigkeit umhüllt dein Herz, das im Galopp dem Frieden entgegen läuft. Du lachst tief aus deinem Innern, mit glockenheller Stimme. Schönheit springt aus jeder deiner Poren, lässt dich blühen wie den Frühling.
Fühlen.

Ein unfassbar schmerzvolles Empfinden. Du sinkst schwer in den Boden, erfasst von Angst. Bleierne Müdigkeit umhüllt dein Herz, das im Galopp dem Messer entgegen läuft. Du schreist tief aus deinem Innern, mit tränenerstickter Stimme. Hässlichkeit springt aus jeder deiner Poren, lässt dich vertrocknen wie den Tod.
Fühlen.

Stille Nacht, einsame Nacht

Weihnachten ist tot. Zumindest in diesem Jahr. Ich habe keinen Grund zum feiern. Dieses Jahr verlor ich so viel, dass es mich schier zerreißt und keine Freude aufkommen mag. Die Liebe, meine Selbstbestimmung, Freunde und einen riesen großen Batzen Hoffnung fielen in den Abgrund. Also habe ich keinen Grund fröhlich unter dem Baum zu sitzen – den ich dennoch aufgestellt habe, das Teil war teuer genug.

Es gibt keine Geschenke, es gibt Wein. Und ich ignoriere die gut gemeinten Ratschläge, dass ich raus sollte. Es fällt mir schwer, nicht bei jeder glücklichen Familie oder frisch verliebtem Paar sofort in Tränen auszubrechen. Ich kann meinen Neid nicht verstecken, also verstecke ich mich.

Ich bin enttäuscht von den Menschen, die mir sagten, dass sie mich lieben. Aber mehr in guten als in schlechten Zeiten. Nicht von allen natürlich. Ich habe auch Menschen wieder gefunden, die ich sehr vermisste. Dafür bin ich dankbar. Es liegt viel an mir, das gebe ich zu. Aber es folgt ein Aber. Die Tür schwingt in beide Richtungen…

Nun sitze ich hier, stelle die Kerzen gerade und hänge die Kugeln zurecht, bringe die Krone auf des Baumes Spitze und halte einen Moment inne. Atme. Hoffe.

Auf dem Weg ins Unbekannte

Auf dem Weg ins Unbekannte überlege ich nun, ob meine Wahl, die Richtige war. Habe ich eine gute Entscheidung getroffen? Wird das eine Bereicherung für mich werden oder war es nur wieder am Ziel vorbei?
Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben. Ich werde es nicht!
Ich habe viele Schubladen, in die ich das Ganze am Ende packen könnte. Welche ist mir denn die Liebste?
Es ist ein Gefühl von Schwerelosigkeit, auf den Wolken gleiten, ohne eine richtige Ahnung zu haben, wohin die Reise geht.
Ich verspreche mir viel und gar nichts. Ich will nichts und dennoch alles.
Ich möchte, dass es sich lohnt. Dass die Investitionen am Ende unter der Haben-Seite stehen.

Vielleicht mache ich es wie Christie und führe meine eigene doppelte Buchführung. Jedem Debit seinen Kredit. Aber will ich diese Erfahrungen wirklich auflisten, um dann am Ende festzustellen, dass ich mein Kredit überzogen habe?

Wir erwecken gern den Eindruck, dass uns das alles nicht bewegt. Wir sind stark nach außen hin, wir fügen uns still und leise unserem Schicksal und ergeben uns den Aufgaben, die uns gestellt werden. Wir ertragen. Wir leben nicht.
Sind wir dazu auf der Welt, um zu ertragen und nicht zu leben? Haben wir in unserem Vorleben alles vertan, um die Chance zu bekommen, dem Leben etwas Gutes abzugewinnen?

Ich lebe im ständigen Wechsel zwischen Gut und Böse. Dem Leben und dem Sterben. Es gibt entweder das Eine oder das Andere. Niemals die Ausgeglichenheit. Weshalb nicht? Ist es meine eigene Schuld? Tue ich nicht genug für den Ausgleich? Lasse ich mich zu sehr gehen? Zum Bösen hin?
Wer bestimmt es? Und wer sagt, dass wir unser eigenes Glück schmieden können? Ich habe keine Feuerstelle, an der das gehen könnte.

Ich muss abwarten, was noch kommen könnte. Viel dem entgegen zu bringen wage ich auch nicht: Aus Angst, es wendet sich dann erst recht gegen mich. Aus Angst, es greift mich an, wie der Falke die Maus, die auf dem Boden um ihr Leben rennt und doch nicht schnell genug ist.

Ich bin ziemlich sicher, nur ein Spielball des Universums zu sein. Ohne eigene Rechte. Das macht Jemand anderes für mich. Dirigiert mich über das Feld, lässt mich auflaufen, Tore schießen, ins Abseits gehen.
Ich habe das nicht in der Hand und wenn doch? Dann kenne ich nicht die Spielregeln dafür. Ich spiele nur mit, ohne eigene Ideen, ohne den Hauch einer Ahnung, was ich in dieser Mannschaft eigentlich soll. Mir gefällt die Art zu spielen nicht, schon gar nicht unter schlechten Bedingungen. Ich muss spielen, selbst wenn ich krank am Boden liege, werde gezwungen, mich zur Belustigung der Zusehenden zu quälen und zu erniedrigen.

Bald aber werde ich aufstehen, das Zepter in die Hand nehmen und euch zeigen, wie man richtig regiert. Wie man das Spiel aufzieht, die Fäden so wickelt, dass sie richtig aufgezogen werden können.
Am Ende werde ich als Sieger aus der Partie hervor gehen. Ohne ein Team zwar, in meiner eigenen Klasse, mit meiner eigenen Leistung.
Ich werde am Ende der Sieger sein.
Generisches Maskulinum.

Ich packe meinen Koffer…

und fahre weit hinaus.
An den Rand des Wahnsinns.
Und ein wenig weiter.
Jeden Tag komme ich an die Grenzen.
Die ich nicht überquere.
Nur sachte streife.
Gerade nah genug.

Der Weg zurück.
Macht das Tragen schwerer.
Ich packe aus.
Und doppelt so viel ein.
Die Last wird schwerer.

Eines Tages dann.
Lasse ich den Koffer stehen.
Und fahre ohne weiter.
Nur ich.
Nur dich.
Habe ich dann gefunden.
Und wir fahren weiter.